Heike hört zu – Teil 4: Im Gespräch mit Daniel Drewes vom Deutschen Haus

Was beschäftigt einen Hotel- und Gastronomiebetrieb in Buchholz? Wo kann die Stadt besser unterstützen? Und wie schaffen wir wieder mehr Bürgernähe? Darüber habe ich mit Daniel Drewes vom Deutschen Haus gesprochen.

Seit dreieinhalb Jahren betreibt Daniel Drewes das Hotel und Restaurant Deutsches Haus mitten in Buchholz. In dieser Zeit hat er viel investiert und den Betrieb umgebaut. Heute beschäftigt er rund 20 Buchholzerinnen und Buchholzer in Vollzeit, Teilzeit und geringfügiger Beschäftigung. Hinzu kommt ein Auszubildender.

Gastronomie steht vor großen Herausforderungen

Unser Gespräch hat schnell gezeigt, unter welchem Druck Gastronomie und Hotellerie derzeit stehen. Neben den Lohnkosten belasten vor allem die hohen Energie- und Lebensmittelpreise die Betriebe.

Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen auf sieben Prozent bewertet Daniel deshalb als wichtiges und richtiges Signal. Für ihn hat diese Entlastung eine ganz konkrete Auswirkung: Er kann einen weiteren Koch einstellen.

Gleichzeitig wird es immer schwieriger, Nachwuchs für die Gastronomie zu gewinnen. Schon die Suche nach einem Auszubildenden war für das Deutsche Haus nicht einfach. Besonders Arbeitszeiten am Wochenende schrecken nach Daniels Erfahrung viele junge Menschen ab.

Wer hilft, sollte als Partner behandelt werden

Ein wichtiger Teil unseres Gesprächs drehte sich um das Verhältnis zwischen örtlichen Unternehmen, Stadt und Verwaltung.

Grundsätzlich hat Daniel gar nicht besonders viele Berührungspunkte mit der Stadtverwaltung und ist mit vielem zufrieden. Dort, wo es Berührungspunkte gibt, wünscht er sich aber mehr Kommunikation und vor allem einen Umgang auf Augenhöhe.

Das Deutsche Haus hat der Stadt beispielsweise sehr kurzfristig geholfen, als von einem Tag auf den anderen Unterkünfte für Delegierte benötigt wurden.

Gerade deshalb stört es ihn, wenn er an anderer Stelle das Gefühl bekommt, von der Stadt weniger als Partner auf Augenhöhe und eher von oben herab behandelt zu werden.

Ein Erlebnis ist ihm dabei besonders im Gedächtnis geblieben: Er wurde wegen eines möglichen Sponsorings für ein E-Fahrzeug der Stadtwerke angesprochen. Kurz darauf folgte ein Gebührenbescheid wegen einer Wasserentnahme und einen Tag später der Gewerbesteuerbescheid.

Dabei stellt Daniel überhaupt nicht infrage, dass Steuern und berechtigte Gebühren bezahlt werden müssen. Für ihn geht es vielmehr darum, wie Stadt, Verwaltung und örtliche Unternehmen miteinander umgehen.

Wer in Buchholz investiert, Arbeitsplätze schafft, ausbildet und auch dann hilft, wenn kurzfristig Unterstützung gebraucht wird, sollte nicht das Gefühl bekommen, nur „dritte Wahl“ zu sein.

Diesen Gedanken kann ich sehr gut nachvollziehen. Eine gute Verwaltung muss selbstverständlich Regeln anwenden und Abgaben erheben – sie sollte sich gleichzeitig aber auch als Partnerin der Menschen und Unternehmen unserer Stadt verstehen.

Der Verkehr muss angegangen werden

Ein weiteres Thema, das Daniel unmittelbar in seinem Alltag erlebt, ist die Verkehrssituation in Buchholz.

Besonders zu den Stoßzeiten am Morgen und am Nachmittag ist aus seiner Sicht teilweise kaum noch ein Durchkommen. Für ihn steht deshalb fest: Buchholz braucht eine Entlastung. Eine östliche Entlastungsstraße hält er für den richtigen Weg.

Auch für mich gehört die Verkehrssituation zu den Themen, die wir in den kommenden Jahren entschlossen angehen müssen. Dabei müssen wir unterschiedliche Verkehrsmittel zusammendenken und gleichzeitig dafür sorgen, dass unsere Stadt erreichbar bleibt.

„Politik muss wieder näher an die Menschen“

Einen Gedanken aus unserem Gespräch nehme ich ganz besonders mit: Wir müssen wieder näher an die Menschen heran.

Daniel hat dabei auch meine eigene Partei angesprochen. Die SPD müsse wieder stärker bei den Menschen sein, die jeden Morgen zur Arbeit gehen, einen Betrieb führen, Beschäftigten Verantwortung und Sicherheit geben, ihre Familie versorgen und sich Gedanken darüber machen, wie sie am Ende des Monats ihre Rechnungen bezahlen.

Diese Kritik nehme ich ernst.

Politik darf nicht nur in Sitzungsräumen stattfinden. Wir müssen rausgehen, zuhören und verstehen, was die Menschen in ihrem Alltag tatsächlich beschäftigt. Und wir müssen auch bereit sein, Kritik anzunehmen.

Genau deshalb gibt es meine Gesprächsreihe „Heike hört zu“.

Ich möchte nicht zu jedem Gespräch mit fertigen Antworten kommen. Ich möchte zuhören, nachfragen und verstehen. Denn gute Kommunalpolitik entsteht für mich nicht von oben herab, sondern gemeinsam mit den Menschen, die in Buchholz leben, arbeiten, Unternehmen führen, sich engagieren und Verantwortung übernehmen.

Danke, Daniel, für deine Offenheit, deine klaren Worte und das gute Gespräch.

Heike Werner