An einem leider verregneten Vormittag ging es für mich um 10 Uhr auf dem Peets Hof los. Die Veranstaltung stand unter dem Motto: „Barrierefrei im Kopf“. Genau darum geht es mir auch politisch: Barrieren nicht nur abbauen, sondern gar nicht erst entstehen lassen.

Vor Ort waren viele engagierte Gruppen, zum Beispiel die BBS, die Lebenshilfe und Blau-Weiß. An einem Stand konnte ich viel über die Brailleschrift lernen. Ich habe erfahren, wer sie erfunden hat und wie sie aufgebaut ist. Es hat mich beeindruckt, wie viel Information über kleine Punkte fühlbar wird.

Am nächsten Stand haben Schülerinnen und Schüler der BBS Buchstaben und Formen auf Papier geprägt. Ich habe die Augen geschlossen und versucht, die Zeichen nur mit den Fingern zu erkennen. Das war gar nicht so leicht. Diese Erfahrung hat mir noch einmal gezeigt, wie wichtig Übung und gute Unterstützung im Alltag sind.

Besonders eindrücklich waren die Brillen, mit denen verschiedene Augenerkrankungen simuliert wurden. Ich habe ausprobiert, wie sich eine Sehleistung von nur 10 Prozent anfühlt. Eine andere Brille zeigte das Sehen bei Retinitis pigmentosa – das Blickfeld ist stark eingeschränkt, nur ein kleiner Bereich in der Mitte bleibt. Bei der Simulation einer Makuladegeneration war genau dieser zentrale Bereich verschwommen. Und bei diabetischen Netzhautveränderungen gab es viele kleine Ausfälle im Sichtfeld.

Mit diesen Brillen sollte ich einfache Aufgaben erledigen, zum Beispiel einen Einkaufszettel schreiben. Das war viel schwieriger, als ich gedacht habe. Besonders bei der Makuladegeneration, wenn genau die Stelle des schärfsten Sehens betroffen ist. Auch das Sortieren von Lebensmitteln war eine Herausforderung. Rote Linsen konnte ich noch gut erkennen, aber Naturreis und braune Linsen zu unterscheiden, war deutlich schwerer. Selbst das Abwiegen wurde kompliziert.

Außerdem konnte ich mit einem Blindenstock über Bodenleitlinien gehen. Auch das hat mir gezeigt, wie wichtig klare Orientierung im öffentlichen Raum ist.

Die Schulband der Schule An Boerns Soll hat die Veranstaltung eröffnet und für eine tolle Stimmung gesorgt.

Im Anschluss fand ein Podiumsgespräch statt, das von Frau Beate Schulte-Strathaus moderiert wurde. Frau Julia Martini berichtete über ihre Arbeit als Vorsitzende des Netzwerks „barrierefrei Leben“ im Landkreis Harburg und ihre Erfahrungen mit der Verwaltung. Zwei Schüler der Schule An Boerns Soll haben sehr eindrücklich von ihrem Alltag erzählt und davon, was sie sich für die Zukunft wünschen. Das hat mich besonders bewegt.

 

Danke für diesen wichtigen Tag und diese spannenden, bewegenden und guten Eindrücke.