Heike hört zu – Folge 6: Zu Besuch beim Kunstverein Buchholz/Nordheide
Heike hört zu – Folge 6: Zu Besuch beim Kunstverein Buchholz/Nordheide
Aktuelle Kunst, regionale Kunst, ungewöhnliche Ideen – und ganz viel ehrenamtliches Engagement: Bei meinem Besuch beim Kunstverein Buchholz/Nordheide habe ich mit dem 1. Vorsitzenden Dr. Sven Nommensen und dem 2. Vorsitzenden Matthias Neb darüber gesprochen, was einen Kunstverein ausmacht, der bewusst nicht dem Mainstream folgen möchte – und was er von unserer Stadt braucht.
Am Freitag war ich im Rahmen meiner Gesprächsreihe „Heike hört zu“ beim Kunstverein Buchholz/Nordheide zu Gast. Der 2. Vorsitzende Matthias Neb haben mir einen Einblick in ihre Arbeit gegeben.
Dabei wurde schnell deutlich: Der Kunstverein möchte mehr sein als ein Raum, in dem Bilder an der Wand hängen.
Hier geht es um aktuelle und moderne Kunst, um abstrakte Malerei, regionale Kunst und auch um kompromisslose Kunst abseits des Mainstreams. Die Ausstellungen dürfen überraschen und herausfordern. Sie sollen neue Perspektiven eröffnen und Kunst zeigen, die man vielleicht nicht überall zu sehen bekommt.
Fünf Ausstellungen – komplett ehrenamtlich organisiert
Besonders beeindruckt hat mich, wie viel Arbeit hinter dem Programm steckt.
Alle Aktiven des Kunstvereins arbeiten ehrenamtlich.
Rund fünf Ausstellungen organisiert der Verein im Jahr. Mehr ist nach Aussage der Verantwortlichen sowohl personell als auch finanziell kaum zu bewältigen.
Denn eine Ausstellung bedeutet viel mehr als den eigentlichen Aufbau: Sie muss geplant und vorbereitet werden. Die Kunstwerke müssen teilweise bei den Künstlerinnen und Künstlern abgeholt und nach Ende der Ausstellung wieder zurückgebracht werden. Zu jeder Ausstellung organisiert der Kunstverein außerdem einen Workshop, in dem die gezeigte Kunst erklärt und vermittelt wird.
Mindestens eine Gruppenausstellung gehört zum Jahresprogramm, bei der Arbeiten mehrerer Künstlerinnen und Künstler gezeigt werden. Eine Ausstellung widmet sich regionaler Kunst. Hinzu kommen besondere Formate – beispielsweise Ausstellungen, bei denen Geräusche und Klang eine Rolle spielen. Zuletzt wurden Arbeiten von Lukas Zerbst gezeigt.
Wenn neben den Ausstellungen noch Zeit und ehrenamtliche Kapazitäten vorhanden sind, organisiert der Verein zusätzlich Lesungen.
Das Interesse von Künstlerinnen und Künstlern ist groß: Im Sommer bewerben sich Kunstschaffende aus ganz Deutschland darum, im folgenden Jahr in Buchholz ausstellen zu können.
Kooperationen und ungewöhnliche Kunstprojekte
Spannend fand ich auch die Zusammenarbeit mit anderen Kultureinrichtungen.
Mit der Kunststätte Bossard gab es beispielsweise eine Kooperation, bei der Skulpturen aus Pappe und Sand im Außenbereich der Witterung ausgesetzt wurden. Regen und Wetter veränderten die Arbeiten, bis sie schließlich in sich zusammenfielen. In den Räumen des Kunstvereins wurden dazu weitere Arbeiten präsentiert.
Auch mit dem Kunstverein Springhornhof gab es bereits eine Zusammenarbeit.
Solche Projekte zeigen für mich, was Kunst kann: Sie muss nicht immer gefällig sein. Sie kann irritieren, Fragen stellen und uns dazu bringen, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
25 Jahre Kunstverein
2025 konnte der Kunstverein Buchholz/Nordheide sein 25-jähriges Jubiläum feiern.
Aus diesem Anlass wurde eine zusätzliche Ausstellung organisiert, in der Plakate aus den Ausstellungen der vergangenen 25 Jahre gezeigt wurden. Ein schöner Rückblick darauf, wie lange ehrenamtlich getragene Kunst und Kultur bereits einen festen Platz in unserer Stadt haben.
Gleichzeitig bleibt die Finanzierung eine Herausforderung.
Die ausgestellten Werke werden nur selten verkauft. Wenn es zu einem Verkauf kommt, erhält der Kunstverein lediglich einen kleinen Anteil des Erlöses. Für seine Arbeit ist der Verein deshalb auch auf Spenden angewiesen.
Mehr Unterstützung und mehr Sichtbarkeit
Aus unserem Gespräch habe ich zwei klare Wünsche mitgenommen: mehr finanzielle Unterstützung durch die Stadt und mehr Sichtbarkeit in Buchholz.
Gerade bei der Sichtbarkeit gibt es noch viel Luft nach oben. Die Möglichkeiten des Vereins, beispielsweise einen umfangreichen Social-Media-Auftritt zu betreiben, sind begrenzt. Auch dafür braucht es schließlich Menschen und Zeit.
Für mich bedeutet kommunale Kulturförderung deshalb mehr als finanzielle Zuschüsse.
Wir müssen uns auch fragen: Wie können wir als Stadt dabei helfen, solche Angebote bekannter zu machen?
Viele Buchholzerinnen und Buchholzer wissen vermutlich gar nicht, welche Ausstellungen und Veranstaltungen direkt vor ihrer Haustür stattfinden. Hier können wir besser werden.
Es geht weiter
Auch in den kommenden Monaten lohnt sich ein Besuch beim Kunstverein.
Im September wird eine Auswahl aus der Sammlung Lohmann gezeigt. Im November folgen Arbeiten von Nanne Meyer. Außerdem findet am 4. November wieder ein Filmabend statt.
Mein Fazit aus diesem Besuch ist deshalb ziemlich eindeutig:
Wir können froh sein, dass Menschen in Buchholz bereit sind, ihre Freizeit, ihr Wissen und ihre Energie ehrenamtlich für Kunst und Kultur einzusetzen. Dieses Engagement verdient aber nicht nur unseren Dank. Es braucht gute Rahmenbedingungen.
Ich möchte deshalb, dass wir die finanzielle Unterstützung kultureller Einrichtungen in Buchholz im Blick behalten und gleichzeitig gemeinsam daran arbeiten, ihre Angebote in unserer Stadt sichtbarer zu machen.
Denn eine lebenswerte Stadt besteht nicht nur aus Straßen, Wohnungen und Verwaltungsgebäuden. Sie braucht Sport, Begegnung, Musik – und sie braucht Kunst und Kultur.
Vielen Dank an Matthias Neb und das gesamte ehrenamtliche Team des Kunstvereins Buchholz/Nordheide für den Einblick, das offene Gespräch und euren Einsatz für unsere Stadt.